Fort Zinna

Fort Zinna

Am Fort Zinna 7, Torgau, Deutschland
Liberation Route Europe

Fort Zinna

Das Gefängnis Fort Zinna in Torgau war während des Zweiten Weltkriegs das größte Militärgefängnis Deutschlands. Hier wurden viele deutsche und europäische Gefangene festgehalten, die von Militärgerichten verurteilt waren. Nach dem Krieg wandelten die Sowjets das Gefängnis in ein Lager um, bevor es schließlich von der DDR als Gefängnis genutzt wurde.

Das Festungsvorwerk Fort Zinna wurde 1810 bis 1813 unter napoleonischer Herrschaft angelegt. Es hat eine lange Tradition als Haftstätte: Bereits im 19. Jahrhundert waren dort Kriegsgefangene, Militärsträflinge und sogenannte Arbeitssoldaten inhaftiert. Während des Ersten Weltkriegs (1914–1918) war es Kriegsgefangenenlager für Offiziere. In den 1920er Jahren übernahm die preußische Justizverwaltung das Fort Zinna als „Strafgefängnis Torgau“. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurden dort politische Gegner des Nationalsozialismus gefangen gehalten.

Fort Zinna war im Zweiten Weltkrieg das größte Gefängnissen der Wehrmacht. Ein zweites großes Gefängnis hatte die Wehrmacht in der Kaserne Brückenkopf eingerichtet. Mitte 1943 verlegte das Reichskriegsgericht, das oberste militärische Gericht des Deutschen Reichs, seinen Sitz von Berlin nach Torgau. Damit war Torgau das Zentrum der Wehrmachtjustiz und des militärischen Strafvollzugs.

Etwa 60.000 Häftlinge der Wehrmacht waren im Zweiten Weltkrieg in Torgau inhaftiert: deutsche Soldaten, aber auch Angehörige des Widerstands gegen den Nationalsozialismus aus vielen europäischen Ländern und Zwangssoldaten aus Ländern wie Luxemburg, Frankreich und Polen. Mehrere Hundert zum Tode Verurteilte wurden in Torgau hingerichtet. Viele Tausend Gefangene gelangten von Fort Zinna aus in Straf- und Bewährungseinsätze an die Front. Unzählige kamen bei diesen besonders gefährlichen Einsätzen um.

Ab September 1945 diente das Fort Zinna der Sowjetischen Geheimpolizei als „Speziallager“. Festgesetzt waren darin Deutsche, die als Funktionäre am Nationalsozialismus mitgewirkt hatten oder direkte Täter waren. Viele andere wurden inhaftiert, weil sie als Gegner der neuen kommunistischen Ordnung galten. Fort Zinna diente außerdem als zentrales Sammellager in der sowjetischen Besatzungszone, von dem aus Tausende Deutsche und Sowjetbürger in die Lager in der Sowjetunion deportiert wurden.

Nach der Gründung der DDR wurde aus dem Fort Zinna ein DDR-Gefängnis für verurteilte Männer. Unter ihnen befanden sich politische Häftlinge. Zu der Anstalt gehörte mehrere Jahrzehnte lang ein Jugendgefängnis. Jugendliche unter 18 Jahren waren hier auch aus politischen Gründen inhaftiert.

Heute befindet sich im Fort Zinna die Justizvollzugsanstalt Torgau des Freistaates Sachsen. Besucher können das Denkmal der Stiftung Sächsische Gedenkstätte vor der Haftanstalt besuchen, das an die hier Inhaftierten erinnert. Das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau im Torgauer Schloss Hartenfels bietet weitere Hintergrundinformationen zu Fort Zinna und der Stadt Torgau während und nach dem Krieg.

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Am Fort Zinna 7, Torgau, Deutschland