Kall-Brücke

Als die erschöpften amerikanischen Einheiten im November 1944 gezwungen waren, sich aus dem Ort Schmidt zurückzuziehen, mussten sie die Kall-Brücke unter feindlichem Beschuss überqueren. Inmitten erbitterter Kämpfe handelte der deutsche Stabsarzt Dr. Stüttgen mehrere kurze Feuerpausen aus, in denen die verwundeten Soldaten beider Seiten von deutschen Ärzten und Sanitätern versorgt werden konnten.

Im November 1944 rückten Einheiten der 28. US-Infanteriedivision über den sogenannten Kall Trail, eine durch dichten Wald führende unbefestigte Straße, auf den strategisch wichtigen Ort Schmidt vor. Nach achttägigen Gefechten endete die auch Allerseelenschlacht genannte Schlacht um Schmidt mit der Niederlage der Amerikaner. Die erschöpften US-Soldaten waren gezwungen, sich hinter die Frontlinie in Vossenack zurückzuziehen.

Beim Rückzug aus Schmidt mussten die Überlebenden die Kall-Brücke überqueren, als Teile des umliegenden Tals bereits wieder von den Deutschen zurückerobert worden waren. Zwischen dem 7. und 9. November konnte der deutsche Stabsarzt Dr. Stüttgen einige Feuerpausen für das Gebiet um die Brücke aushandeln, so dass verwundete Soldaten beider Seiten versorgt werden konnten. Die Wirkung dieser Feuerpausen war wegen des unübersichtlichen Geländes begrenzt. Dennoch retteten deutsche Ärzte und Sanitäter vielen US-Soldaten das Leben.

Nach dem Krieg ehrte der Gouverneur des Bundesstaates Pennsylvania Dr. Stüttgen für diesen Akt der Humanität. Die Ereignisse um die Kall-Brücke wurden in dem Gemälde „A Time for Healing“ verewigt, das im Museum der Nationalgarde der Vereinigten Staaten zu sehen ist. Eine Kopie des Gemäldes befindet sich im Museum „Hürtgenwald 1944 und im Frieden“ von Vossenack.

Heute steht auf der Brücke eine Skulptur von Michael Pohlmann, die den Besucher an diesen Moment der Menschlichkeit inmitten des Grauens erinnert. „Ich wollte kein Heldendenkmal schaffen, keine theatralische Darstellung, kein Pathos, sondern bescheidener auftreten mit einer schlichten Form in Stein gehauen, den Ort des Geschehens würdigen. Ein Ort an dem alles vielleicht einmal rational begonnen hat, dann aber mehr und mehr irrational wurde und völlig aus den Fugen geriet, bis hier die Vernunft - oder war es doch die Emotion? - eine Begegnung der Humanität möglich werden ließ."

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